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Jin Shin Jyutsu bei Pferden: Eine berührende Begegnung mit der ganzen Herde auf der Koppel

Oct 9
3 min read

Früher hörte ich die Geschichten oder sah die Videos von Menschen, die so im Moment präsent waren, dass sie diese Präsenz auf alle um sich herum ausbreiteten. Pferde, die auf einmal ruhig wurden, als würden sie in eine tiefe innere Meditation abtauchen. Was sie wohl in sich sehen, in sich fühlen konnten in diesen kostbaren Momenten? Ich konnte es mir nicht vorstellen. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlen würde, wirklich in die Präsenz einer Herde einzutauchen. Ein Teil von ihnen zu werden. Kein Gestern, kein Morgen – nur dieser eine Moment.

 

 

Herbst ist schon eine seltsame Jahreszeit, als könnte sich die Natur nicht entscheiden, ob sie noch etwas länger am Sommer festhalten oder doch schon in den kalten Winter weitergehen möchte. So war es an diesem Tag auch. Es war noch angenehm warm und trotzdem konnte man sie in der Luft riechen: die kühlen Vorboten des Winters. Die Pferde waren noch auf der Koppel. Sie genossen das leckere und saftige Gras, das trotz des Herbstes und nach dem Sommer noch grün war. Da standen sie, verteilt als einzelne Tupfen auf einem Meer von Grün. Ich wollte aber nur zu einem Tupfen gehen – dem schwarz-weißen Tupfen meiner besten Freundin.

 


Es war eine spontane Idee, sie zu fragen, ob sie hier mit mir die Kunst des Jin Shin Jyutsu teilen möchte. Die Kunst des Glücklichseins. Was für ein passender Name für das, was passiert, wenn wir uns wirklich dem Jin Shin Jyutsu und den vielen kleinen, verborgenen Wundern in ihm öffnen. Ich legte eine meiner Hände vorne auf ihre Brust, das Energieschloss der Liebe, und die andere auf ihren Widerrist, unseren Speicher für Fülle.

„Was spürst du unter deinen Händen?“ Diese Frage stellte ich mir früher immer und immer wieder. Heute stelle ich mir eine ganz andere: Was spürst du in deinem Herzen? Wenn sich Herz und Hände verbinden, dann entsteht wirkliche Magie. Ich schloss meine Augen. Ausatmen – loslassen, die Energie fließt nach unten. Einatmen – empfangen, die Energie fließt den Rücken hinauf. Ein stetiger Rhythmus aus Loslassen und Empfangen. Ich spürte es in meinen Händen: Dieses sanfte, gleichmäßige Pulsieren, das goldene Licht, das mir zeigt: Wir leben, wir fühlen, wir sind. Das sanfte Pulsieren, dass unser Weg in unser gemeinsames Gleichgewicht ist. Wir waren vertieft – vertieft in unsere ganz eigene kleine Welt

 


Sie hörte auf zu fressen. Ich hatte meine Augen geschlossen, doch trotzdem wusste ich: Ihre kleinen Ohren waren zu mir gedreht, ihre Augen leicht geschlossen und ihr Atem ging ruhig und gleichmäßig. So verbrachten wir einige Zeit.

Auf einmal fiel mir etwas auf: Das gleichmäßige Kauen und gelegentliche Schnauben der anderen Pferde war verstummt. Es war still. Das Einzige, was ich hören konnte, war der Wind, der sanft die Blätter der Bäume bewegte. Jetzt wurde ich doch neugierig. Ich öffnete meine Augen und war genau dort, wo ich immer sein wollte: in der Präsenz einer ganzen Pferdeherde.

 

Dieses Gefühl mit Worten auszudrücken, ist wahnsinnig schwer, und trotzdem versuche ich es in geschriebener Form festzuhalten. Sie standen um uns herum: Eine kleine Gruppe aus drei Pferden vor uns und ein anderer, älterer Wallach in der Nähe hinter uns. Sie standen einfach da, in sich gekehrt, als wären sie in eine tiefe Meditation versunken. Als würden sie Dinge ergründen, die nur sie sehen konnten. In diesem Moment waren wir alle miteinander verbunden, unsere Herzen schlugen im selben Takt.

 

Auf einmal löste sich eine ältere Stute aus der Gruppe. Sie bewegte sich gemächlich etwas weiter weg, knickte mit ihren Vorderbeinen ein und ließ sich in das weiche, saftige Gras sinken. Zuerst war es nur ein leichtes Dösen, doch mit der Zeit ließ sie sich komplett ausgestreckt in das Gras gleiten und verfiel in einen tiefen, erholsamen Schlaf – einen Schlaf, den sie gut gebrauchen konnte, waren doch viele Projekte Teil ihres Lebens und ihrer Gesundheit.

 

Ausatmen – loslassen, Einatmen – empfangen. Es ist der immer gleiche Rhythmus, der einen in eine tiefe Entspannung führt und der den Pferden und mir half loszulassen, was wir nicht mehr brauchen konnten. So verbrachten wir einige Zeit zusammen, fühlten die Verbindung zueinander und zu allem, was um uns herum war. Der Wind im Gesicht, der Boden unter den Füßen, das leise Plätschern des Baches – alles gehörte zusammen. Diese Momente fühlen sich an wie eine Ewigkeit, als würde die Zeit stillstehen, und gleichzeitig sind sie wie ein Wimpernschlag, schnell vorbei.

 

Ein Pferd begann sich wieder zu bewegen, und nacheinander folgten die anderen. Eben waren sie noch in sich versunken, und im nächsten Augenblick war der Moment vorüber und die Welt schien sich wieder weiterzudrehen. So ist es mit besonderen Augenblicken: Sie sind schnell vorbei, wohnen aber dennoch für immer in unseren Herzen.



2 Comments


Eine richtig magische Geschichte😍,einfach toll und berührend

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Rebecca Lenz
Oct 10
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Vielen Dank!🥰

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